Ist KI der nächste Megatrend?

Seit Jahrzehnten setzt die Industrie für nahezu alle Arbeitsschritte – von der Entwicklung über die Produktion bis zum Service – Software ein. Ebenfalls schon seit Längerem gilt Produkt-Lebenszyklus-Management (PLM) dabei als die Königsklasse solcher Software.

 

Sie soll dafür sorgen, dass alle Daten, die in den Prozessen in Zusammenhang mit einem Produkt entstehen, jederzeit aktuell und in ihren Zusammenhängen abgerufen werden können. Man kann nicht behaupten, dass dieser Teil der Digitalisierung schon abgeschlossen wäre, nicht einmal in der Mehrheit der Unternehmen. Und da steht bereits der nächste Schritt auf der Agenda. Wie hängt Künstliche Intelligenz zusammen mit der Industriesoftware, die wir schon lange kennen? Maschinenlernen hat in allerletzter Zeit, in wenigen Jahren, offenbar schlagartig einen Reifegrad erreicht, der den industriellen Einsatz in der Breite möglich machen soll.

In Verbindung mit dem rapiden Preisverfall bei der Elektronik, bei Sensoren und Aktoren, aber auch bei digitalen Kameras und anderen Geräten, die den Dingen das Hören und Sehen beibringen, kann nun die Künstliche Intelligenz für alle erdenklichen Arten von Datenanalysen herangezogen werden. Festmachen lässt sich dieser Trend an der Tatsache, dass neben den großen Anbietern von Industriesoftware seit 2016 auch Anbieter von KI-Angeboten auf der Digital Factory ausstellen.

Künstliche Intelligenz verändert Systemnutzung

Die Industrie insgesamt stellt für diese Anbieter den wohl größten Interessentenkreis dar. Einige der namhaften Anbieter von KI-Plattformen, z.B. IBM mit Watson IoT und Microsoft mit Azure, aber auch Bosch mit seiner IoT Suite, sind ins Zentrum der Digital Factory in die Halle 7 gerückt. Auch 2017 werden die Anbieter von CAD-, CAM- und CAE- sowie PLM-Lösungen in Halle 6 zu finden sein, die seit 2016 nicht mehr ausschließlich Ausstellern im Bereich Industrial Supply vorbehalten war.

Hier ist zu erwarten, dass KI den Einsatz von herkömmlicher Industriesoftware sogar noch vorantreiben könnte. Wenn diese nämlich bestmöglich eingestezt wird, hat der Produzent alle zum Produkt gehörenden Daten zur Verfügung: die Solldaten, die Geometrie und Kinematik, die Anforderungen, die zur Entwicklung geführt haben, und die programmierte Funktionalität. Für die geschäftsmäßige Nutzung der Daten aus dem vernetzten Produkteinsatz wäre das eine lohnende Basis.

Engineeringdaten als Wettbewerbsfaktor

Das ist übrigens auch der große Wettbewerbsvorteil der Produzenten gegenüber den neuen Dienste-Anbietern aus der IT-Welt, denn Sensoren oder QR-Codes an einem Gerät befestigen kann jeder. Die Originaldaten aus dem Engineering hat nur der Hersteller. Man könnte also sagen: Je besser die Industrie ihre Prozesse mit IT ausstattet und integriert, desto größeren Nutzen kann sie aus den neuen Angeboten Künstlicher Intelligenz ziehen.

Wo das Potenzial dieser Technik genau liegt, muss sich in den nächsten Jahren noch erweisen. Wird es bei vorausschauender Wartung bleiben? Oder wird die Logistik, vielleicht gerade die Intralogistik der Unternehmen ins Zentrum rücken? Werden die Roboter bald so schnell durch Zuschauen lernen, dass dies günstiger und besser wird als das Teaching und die Programmierung? Solche Fragen dürften die Besucher der kommende Digital Factory umtreiben.

Ist KI der nächste Megatrend?
(Bild: Siemens AG)


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