Medienkompetenz 4.0

Industrie 4.0 ist nicht nur eine Frage der technischen Realisierung, sondern auch eine Herausforderung an die Ausbildung, Entwicklung und Qualifizierung von Mitarbeitern. Ob in technischen oder kaufmännischen Berufen – neben der Vermittlung des handwerklichen Rüstzeugs, dem Erlernen von Managementmethoden und der Entwicklung von Sozialkompetenz geht es zunehmend um den Aufbau von Medienkompetenz.

Im Rahmen eines Praxisprojektes ist bei Wittenstein eine Online-Videoplattform für die Ausung und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter entstanden. (Bild: Wittenstein SE/Joachim Schmeisser)

Im Rahmen eines Praxisprojektes ist bei Wittenstein eine Online-Videoplattform für die Ausung und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter entstanden. (Bild: Wittenstein SE/Joachim Schmeisser)

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt auf dem Weg zur Fabrik der Zukunft ist es, die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt auch als Element in die berufliche Aus- und Weiterbildung zu integrieren. „Um unseren Nachwuchs sozusagen spielerisch an das Thema Industrie 4.0 heranzuführen, haben wir ein Projekt mit Auszubildenden und Studenten der Dualen Hochschule gestartet“, schildert Dr. Kathrin Heckner, Leiterin Personalentwicklung und Ausbildung bei Wittenstein, den unternehmensinternen Ansatz. Dieser soll zugleich die digitale Medienkompetenz, selbstständiges Handeln, Teamfähigkeit und das Umsetzen neuer Projektmanagement-Methoden fördern.

Projekt mit Praxisbezug

Damit das Thema nicht nur Theorie bleibt, erhielten die Auszubildenden und Studenten eine Aufgabenstellung mit klarem Praxisbezug: Sie sollten ein physisch vorhandenes Schulungsset für die Montage von Getrieben durch selbst gedrehte Videos zu einem digitalen Lernsystem weiterentwickeln. Was dann jedoch im Rahmen des Ausbildungsprojektes entstanden ist, geht weit darüber hinaus: „Die jungen Leute haben eine komplette Online-Videoplattform mit Leben gefüllt“, sagt Heckner. „Ähnlich wie auf YouTube können sie dort selbst gedrehte Videos online stellen und mit allen Mitarbeitern der Unternehmensgruppe teilen.“

Der Erfolg des digitalen Lernsystems ist spürbar: Die Nutzung des Online-Trainings-Tools in der Ausbildung und bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter unterstützt sinnvoll bei der Montage des Schulungsgetriebes und fördert das eigenverantwortliche Lernen. Die Plattform ist aber nicht nur für den internen Hausgebrauch konzipiert, sondern auch als Trainingskanal, der künftig Inhalte für Kunden und Vertriebspartner von Wittenstein anbieten und bereitstellen kann. „Wir haben Kunden bereits einzelne Videos vorgestellt“, so Heckner weiter. Das erste Fazit sei dabei positiv ausgefallen. „Sie können sich durchaus Vorteile z.B. für die Montage und Instandhaltung von Getrieben oder Servoaktuatoren vorstellen.

Medien- und Managementkompetenz

Neben dem Aufbau von Medienkompetenz hat das Projekt die Auszubildenden und Studenten auch gleich mit der Umsetzung moderner Methoden des Projektmanagements vertraut gemacht. Dadurch erfüllt das digitale Lernsystem hohe Qualitätsansprüche hinsichtlich des didaktischen Konzeptes und der medialen Gestaltung. Die Entwicklung des Videoportals und der Dreh von über 20 Videos hat die Auszubildenden und Studierenden über ihre Affinität zu neuen Medien und sozialen Netzwerken erfolgreich an das Thema Industrie 4.0 herangeführt und dabei Kompetenzen in Managementmethoden vermittelt.

„Der smarte Mitarbeiter in der smart organisierten Fabrik zeichnet sich durch hohe Medienkompetenz aus und ist gleichzeitig in der Lage, sein Wissen selbstorganisiert zu erweitern. Die Kombination ist für ihn und für uns ein wesentliches, persönliches Qualifikationsmerkmal auf dem Weg zu Industrie 4.0“, resümiert die Personalentwicklungs- und Ausbildungsleiterin. Der Aufbau von Medienkompetenz als Teil der innerbetrieblichen Ausbildung soll bei Wittenstein in den nächsten Jahren weiter in den Mittelpunkt rücken.

Davon profitieren werden sicher nicht nur die derzeit 180 Auszubildenden und Studenten.

Medienkompetenz 4.0
Bild: Wittenstein SE/Joachim Schmeisser


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