„Da steckt noch viel Potential für uns alle drin“

Herr Neumeyr, die Begriffe Industrie 4.0 und IoT hören wir im Zusammenhang mit Embedded Systems immer öfter in Deutschland. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Christian Neumeyr: Auf der Fachmesse ‚Embedded World‘ konnten wir ganz deutlich sehen, wie die Hersteller um diese beiden Schlagworte kreisen. Als Systemhaus erkennen wir dies natürlich auch an der ständig steigenden Nachfrage an Produkten und Lösungen für diesen Bereich. Jedoch erkennen wir auch, dass das erforderliche Zusammenwirken, wie es gewünscht wird, noch nicht in den einzelnen Fertigungsstätten angekommen ist bzw. realisiert werden kann. Der wesentliche Kern der Umwälzung besteht doch in der vollständigen Durchdringung der Industrie, ihrer Produkte und ihrer Dienstleistungen mit Software und dies alles bei gleichzeitiger Vernetzung über das IoT. Dies erfordert aber auch, dass es entsprechend neue Produkte, Entwicklungen rund um die Vernetzung sowie Anpassungen an die bestehende Technik und Technologien geben muss.

Es heißt ja immer, ohne Embedded-Computer kein Internet der Dinge und I4.0.

Neumeyr: […] Vernetzte Systeme basieren immer auf einer sehr modernen und der jeweiligen Anwendung angepassten Embedded-Technologie, wie sie bereits in einer Vielzahl von industriellen Applikationen […] zum Einsatz kommt. Gerade hier müssen Embedded-PCs eine sehr hohe Rechenleistung auf engsten Raum zur Verfügung stellen. Die meisten Anwendungen erfordern daher wartungsarme, zuverlässige Rechner, deren Temperaturbereich von typisch 0 bis +60 Grad liegt, da für eine zusätzliche Kühllösung im System selbst kein Platz vorhanden ist. Embedded-PCs bieten sich hier förmlich an, da sie sehr energieeffizient arbeiten, aber dennoch leistungsstark sind.

Das Internet wandelt sich vom Informationsmedium zu einem interaktiven Medium. Wächst endlich zusammen, was zusammen gehört?

Neumeyr: In der Zukunft wird sich wohl die virtuelle Welt des Internets mit der pysikalischen Welt wie wir sie kennen immer stärker verbinden. Ich nenne Ihnen da noch ein weiteres Schlagwort, ‚ Cyber-Physical Systems‘, kurz CPS genannt. Das bedeutet die Vernetzung von eingebetteten Informations- und Kommunikationstechnologien untereinander wie der Industrie 4.0 und mit dem IoT. Nennen wir es das Verschmelzen der unterschiedlichen Technologien und denen, die sie verwenden.

Es soll in den nächsten 5 Jahren weltweit über 50 Milliarden smarte Devices für den Markt geben – was sagen Sie dazu?

Neumeyr: Das kann ich mir durchaus vorstellen, denn schon heute treffen wir in unserem Alltag auf zahlreiche Anwendungen in diesem Gebiet. Die intelligente Küche, da darf der Kühlschrank, der sich quasi selbst befüllt, nicht mehr fehlen oder die Kaffeemaschine, die genau den Kaffee zubereitet wie Sie ihn gerne mögen. […] Im Auto erleben wir die Vernetzung schon seit ein paar Jahren sehr intensiv […]. Das Thema Sicherheit ist da noch nicht mit eingerechnet. Da steckt also noch so viel Potential für uns alle drin und vor allem sind wir weiter gefordert, die Hard- und Software für einen reibungslosen Austausch oder Kommunikation untereinander bzw. der einzelnen Systeme und Geräte zu gewährleisten. Für die Hersteller bedeutet das auch, dass wir künftig weitere Entwicklungen im Embeddedbereich […] zu sehen bekommen.

Worin besteht die besondere Bedeutung für den Industriestandort Deutschland in Bezug auf Industrie 4.0 und IoT?

Neumeyr: Ich sage es mal so, mit Industrie 4.0 und dem IoT treffen derzeit zwei tektonische Erdplatten aufeinander und die sind gerade dabei sich zu einem nicht gerade kleinen Gebirge aufzutürmen. Es heißt also, achtsam sein, wenn es um die Implementierung neuer Technologien geht. Wir sollten aus verschiedenen Richtungen aus der deutschen Industrie- und Wirtschaft enger aufeinander zugehen und mehr Offenheit beweisen, um die von uns neuen geschaffenen Standards optimal zu integrieren. Weiterhin sehe ich aber ganz klar die Bundesregierung gefordert […]. Es müssen neben den an uns gestellten Forderungen zur Realisierung dieser, auch neue Bildungswege, -systeme und Fachhochschuleinrichtungen geschaffen werden. […]

Wie denken Sie abschließend über IoT und I4.0?

Neumeyr: […] die deutsche Industrie wird noch einen gewissen Weg beschreiten müssen um die derzeit noch vielen offenen Anforderungen zu erfüllen. Aber wer die Industrie kennt, der weiß auch, dass sich gerade neue Standards von Deutschland aus schon mehrmals über den Globus und dem Markt langfristig durchgesetzt haben.

Ein PDF des kompletten Interviews können Sie unter folgendem Link herunterladen:

www.sps-magazin.de/?15936

„Da steckt noch viel Potential für uns alle drin“
Bild: Plug-In Electronic GmbH


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