Mensch, wie geht es dir?

Maschinen übernehmen immer mehr Aufgaben. Idealerweise sollten sie auch in der Lage sein, den Menschen bei Fehlverhalten zu unterstützen. Voraussetzung dafür ist, dass die Maschine versteht, wie es dem Menschen geht, der sie bedient. Fraunhofer-Forscher haben ein Diagnose-Verfahren entwickelt, das Nutzerzustände in Echtzeit erkennt und den Maschinen mitteilt.

Für Fluglotsen ist es besonders wichtig, dass Mensch und Maschine gut interagieren. (Bild: Fraunhofer FKIE)

Für Fluglotsen ist es besonders wichtig, dass Mensch und Maschine gut interagieren. (Bild: Fraunhofer FKIE)


Die Kamera hat die Augen des Fahrers fest im Blick. Sind sie länger als eine Sekunde geschlossen wird Alarm ausgelöst. „Nicht immer ist der Zustand, in dem sich ein Mensch befindet, von einer Maschine so einfach zu erkennen wie hier“, sagt Jessica Schwarz vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie. Die Diplom-Psychologin ist in ihrer Doktorarbeit der Frage nachgegangen, wie sich Nutzerzustände sehr genau ermitteln lassen, welchen Einfluss diese auf mögliches Fehlverhalten haben und wie automatisierte Systeme diese Information nutzen können. „Bei komplexen Anwendungen reicht es nicht aus, sich auf einen Einflussfaktor zu konzentrieren“, sagt sie. Beispielsweise bedeutet eine gestiegene Herzrate nicht automatisch, dass ein Mensch gestresst ist. Schwarz untersuchte daher, welche Faktoren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Menschen nehmen und konzipierte ein ganzheitliches Modell, das Nutzerzustände und deren Ursachen umfassend abbildet. In ihrem Modell unterscheidet sie zwischen sechs Dimensionen des Nutzerzustands, die Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben: Beanspruchung, Motivation, Situationsbewusstsein, Aufmerksamkeit, Müdigkeit und den emotionalen Zustand. Zur Erfassung dieser Zustände setzt sie physiologische und verhaltensbasierte Messmethoden ein. Diese kombiniert sie zusätzlich mit äußeren Faktoren sowie individuellen Angaben zur Person – wie etwa deren Erfahrung. Die theoretischen Erkenntnisse überprüfte sie in Experimenten, in denen sie Probanden vor folgende Aufgabe stellte: Sie mussten sich in Fluglotsen hineinversetzen und in einer Computersimulation Flugzeuge sicher durch einen virtuellen Luftraum steuern. Dabei wurden als Stressfaktoren die Anzahl der Flugzeuge erhöht, Anweisungen der ‚Lotsen‘ nicht erwidert und Hintergrundlärm eingespielt. Individuelle Faktoren wie Erfahrungsgrad, Fähigkeiten und Befinden wurden zuvor erfasst. EEG-Sensoren, ein Eyetracker und ein EKG-Brustgurt zeichneten die Körperdaten auf. Es entstand eine Diagnoseschnittstelle, die in Echtzeit erkennt, wann einzelne Faktoren kritische Werte erreichen, und das der Maschine mitteilt. Bis Ende des Jahres soll das Forschungsprojekt abgeschlossen sein.

Mensch, wie geht es dir?
Bild: Fraunhofer FKIE


Das könnte Sie auch interessieren

Haushaltsroboter erobern das Eigenheim

Mehrheit steht Robotern offen gegenüber 42 Prozent können sich vorstellen, einen Roboter im Haushalt einzusetzen Jeder zweite Interessent würde Roboter zur Überwachung des Zuhauses einsetzen‣ weiterlesen

Anzeige
Datenschutzgrundverordnung: Anforderungen werden oft ignoriert

Aktuell haben erst 13 Prozent erste Maßnahmen angefangen oder umgesetzt Nur eine Minderheit glaubt, die EU-Verordnung fristgerecht umzusetzen Größte Hürden sind unklarer Umsetzungsaufwand und Rechtsunsicherheit‣ weiterlesen

Das Unternehmen der Zukunft

Firmen stehen vor den größten Umbrüchen seit 50 Jahren. Denn die ausschließlich auf Shareholder Value ausgerichtete Unternehmensführung hat sich weitgehend überholt. So ist Shareholder Value in Zukunft das Ergebnis einer guten Strategie, aber nicht mehr deren Ziel. Auch das Bestreben, die besten Mitarbeiter zu Führungskräften zu entwickeln, tritt in den Hintergrund. Stattdessen stellt das Unternehmen der Zukunft den Kunden in den Mittelpunkt, setzt auf eine neue Generation von Mitarbeitern, kooperiert ausgiebig mit anderen Firmen und nutzt die Chancen der Digitalisierung. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Studie 'The Firm of the Future' der internationalen Managementberatung Bain & Company.‣ weiterlesen

Anzeige
Digitale Roadmap

Unter dem Druck, das eigene Geschäft zu digitalisieren, beginnen Unternehmen oft mit Einzelmaßnahmen wie einem neuen Webshop – Wir erklären, was stattdessen der erste Schritt sein sollte und wie Full-Service Digitalagenturen schon bei der Planung sinnvoll unterstützen können.‣ weiterlesen

Digitale Transformation in der Industrie

Die gewinnbringende Nutzung von Daten hat in der Industrie mittlerweile eine hohe Bedeutung erlangt. Die Frage, wo diese Daten gespeichert, wie sie gesichert und verfügbar gehalten werden, rückt entsprechend ins Zentrum der IT-Strategie.‣ weiterlesen

Cyberangriffe auf die Industrie

Etwa jede dritte Cyberattacke auf Rechner für industrielle Kontrollsysteme (ICS, Industrial Control Systems) in der ersten Jahreshälfte 2017 richtete sich gegen Unternehmen aus der Fertigungsbranche. Das zeigt der aktuelle Kaspersky-Bericht über Cyberbedrohungen für industrielle Automationssysteme [1]. Der zahlenmäßige Höhepunkt der Angriffe lag dabei im März 2017 – auch bedingt durch Wannacry. Zwischen April bis Juni gingen die Werte wieder leicht zurück.‣ weiterlesen