Unternehmen erwarten hohe Kostenvorteile durch Energieflexibilisierung

Erstmals seit der Energiekrise verzeichnet der Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie mit allen drei Teilindizes (die Bedeutung, Produktivität und Investitionen betreffend) einen leichten Rückgang. Mögliche Gründe erkennt EEP-Institutsleiter Professor Alexander Sauer in der Unsicherheit und der drohenden Rezession, der dadurch getriebenen Prioritätenverschiebung und der Reduktion von Produktionskapazität.

Bild: ©Andrii-Yalanskyi/stock.adobe.com

Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart erhebt seit 2013 halbjährlich ak-tuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zur Energieeffizienz. Der EEI wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraun-hofer IPA und dem TÜV Rheinland sowie weiteren Partnern erstellt. Insgesamt 858 Teilnehmer haben sich im Erhebungszeitraum vom 18. März 2024 bis zum 10. Mai 2024 zu den drei Teilindizes geäußert. Die Sonderfragen in der Sommererhebung adressierten die Ziele von Energieeffizienz-Investitionen sowie die Energieflexibili-tät.

Wirtschaftlichkeit ist Ziel Nummer 1 bei Investitionen

Knapp 87 Prozent der Unternehmen gaben an, mit Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen die eigene Wirtschaftlichkeit steigern zu wollen. Auch die Dekarbonisierung (61,1 Prozent) und die Erfüllung der Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie (51 Prozent) sind wichtige Ziele.

Mehr als 70 Prozent der Unternehmen wünschen sich eine Amortisationsdauer von unter fünf Jahren. Dies spiegelt sich in der hohen Zustimmung in Bezug auf Instandhaltung und Modernisierung von Bestandsanlagen sowie zu effizienterer Beleuchtung und Belüftung wider.

Unabhängig durch Energieflexibilität

Energieflexibilität, also die zeitflexible Erzeugung und Verbrauch von Energie als Reaktion auf Änderungen des Energiemarktes ist ein wichtiger Baustein für die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz. Dies hat für Unternehmen einen hohen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen möchten über Flexibilisierungsmaßnahmen die Unabhängigkeit durch Maximierung der Nutzung eigenerzeugter Energie und die Dekarbonisierung des eigenen Unternehmens erreichen. Über 60 Prozent der Unternehmen schätzen das Potenzial des Kostenvorteils durch Energieflexibilisierungsmaßnahmen moderat bis sehr hoch.

„Allerdings haben 21 Prozent der Unternehmen keine Investitionen getätigt oder geplant. Für 24 Prozent der Unternehmen beeinflussen die Kürzungen der Förderungen im Bundeshaushalt die Entscheidung in Energieeffizienz-Maßnahmen. Das sollte uns zu denken geben“, resümiert EEP-Leiter Professor Alexander Sauer.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Gesundheit verschiedener Beschäftigungsgruppen aus? Dieser Frage ist das ZEW Mannheim nachgegangen und kommt zu dem Ergebnis, dass sich vor allem der Gesundheitszustand von Arbeitern verschlechtert.‣ weiterlesen

61 Prozent der Unternehmen in Deutschland wollen laut einer Bitkom-Befragung per Cloud interne Prozesse digitalisieren, vor einem Jahr waren es nur 45 Prozent. Mittelfristig wollen die Unternehmen mehr als 50 Prozent ihrer Anwendungen in die Cloud verlagern.‣ weiterlesen

Mit generativer KI erlebt 'Right Brain AI', also eine KI, die kreative Fähigkeiten der rechten menschlichen Gehirnhälfte nachahmt, derzeit einen rasanten Aufstieg. Dieser öffnet aber auch die Tür für einen breiteren Einsatz von eher analytischer 'Left Brain AI'. Das zeigt eine aktuelle Studie von Pegasystems.‣ weiterlesen

Um klima- und ressourcengerechtes Bauen voranzubringen, arbeiten Forschende der Bergischen Universität Wuppertal in ihrem Projekt TimberConnect an der Optimierung von digitalen Prozessen entlang der Lieferkette von Holzbauteilen. Ihr Ziel ist unter anderem, digitale Produktpässe zu erzeugen.‣ weiterlesen

Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland verwenden ChatGPT und Co. zumindest testweise, 37 Prozent arbeiten regelmäßig mit KI-Anwendungen. Doch auch Cyberkriminelle machen sich vermehrt die Stärken künstlicher Intelligenz zunutze - mit weitreichenden Folgen.‣ weiterlesen

Mehr als jedes dritte Unternehmen wurde in den letzten zwei Jahren Opfer von Cyberkriminalität - am häufigsten durch Phishing, Attacken auf Cloud-Services oder Datenlecks. Dies geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens KPMG hervor. Darin schätzt der Großteil der befragten Unternehmen das eigene Risiko als hoch oder sehr hoch ein.‣ weiterlesen

Wie kann man die virtuelle Realität (VR) haptisch, also durch den Tastsinn, erfahrbar machen? Der Saarbrücker Informatiker André Zenner ist in seiner Doktorarbeit der Antwort auf diese Frage ein großes Stück nähergekommen - indem er neue Geräte erfunden und die passende Software dazu entwickelt hat.‣ weiterlesen

Die Einführung generativer künstlicher Intelligenz ist oft mit Herausforderungen verbunden, etwa wenn es um den Datenschutz geht. Für die Industrie verspricht die Technologie jedoch Potenziale, sofern richtig eingesetzt. Die APPL-Firmengruppe nutzt GenAI beispielsweise, um Maschinenstörungen abzustellen.‣ weiterlesen

Eine aktuelle Studie von Protolabs, zu der mehr als 700 Ingenieure weltweit befragt und Daten der Industrie ausgewertet wurden, zeigt den aktuellen und künftigen Zustand der additiven Fertigung auf. Demnach wächst der Markt sogar schneller als bisher angenommen.‣ weiterlesen

Die Integration von Ergonomie in den Entwicklungsprozess von Maschinen und Arbeitsplätzen spielt eine entscheidende Rolle für die Kosteneffizienz und die Benutzerfreundlichkeit. Virtual Reality (VR) bietet einen modernen Ansatz, um frühzeitige Ergonomieuntersuchungen zu beschleunigen und zu verbessern. Die Integration von VR ermöglicht eine realistische Simulation menschlicher Bewegungen und vermeidet kostspielige spätere Anpassungen. Die Anwendung erfordert jedoch geeignete Hardware und Software sowie geschultes Personal.‣ weiterlesen

Die Innovationstätigkeit in Digitaltechnologien nimmt weiter an Fahrt auf. Und laut Deutschem Patent- und Markenamt dominieren die USA und China in diesen Bereichen. Die deutsche Bilanz ist zwiespältig.‣ weiterlesen