Lean Coaching im Unternehmen

Wird Lean als Projekt gesehen, bei der die reine Methodenvermittlung im Vordergrund steht, fallen Unternehmen und dessen Mitarbeiter nach Bearbeitung der Arbeitspakete oft in ihren Ursprungszustand zurück. Die Arbeit an der inneren Haltung wird häufig vernachlässigt. Verschlechterte Prozesse, Qualitätsschwankungen, nicht genau definierte Standards und verunsicherte Mitarbeiter sind die Folge. Mit einem kooperativen Lean-Coaching-Ansatz, dem sich der dritte und letzte Teil unserer Artikelserie widmet, werden Mitarbeiter befähigt, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu gestalten, Lean Warehousing nachhaltig einzuführen und die Reise zum Nordstern anzutreten.

 (Bild: Fraunhofer-Institut IML)

(Bild: Fraunhofer-Institut IML)

Bei der nachhaltigen Einführung von Lean Warehousing bevorzugt das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund einen kooperativen Coaching-Ansatz. Auf dem Weg zur kontinuierlichen Verbesserung werden Führungskräfte und unternehmensinterne Lean Coaches ausgebildet und befähigt, sowohl das erforderliche Wissen an ihre Mitarbeiter zu vermitteln, als auch die Lean-Denkweisen vorzuleben. Langfristig soll dieser Ansatz zu einem Kulturwandel im Unternehmen führen.

 

Mitarbeiter befähigen

Nach dem Motto ‚Befähigen statt Belehren‘ zielt das Lean Coaching darauf ab, Mitarbeiter auf dem Weg zur Erreichung der Unternehmensvision und den damit verbundenen Zielen zu unterstützen. Das wohl wichtigste Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zur klassischen Beratung ist, dass Coaching eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellt. Lean Coaching stellt den Mitarbeiter und dessen Kompetenzentwicklung in den Vordergrund. Durch Interaktion mit den Mitarbeitern sowie Förderung von Selbstreflexion werden Mitarbeiter befähigt, Verantwortung zu übernehmen und Lösungsansätze selbstständig zu entwickeln. Notwendig für die effektive Einführung des Lean Warehousing ist die Anpassung der Herangehensweise an individuelle Bedürfnisse des Unternehmens. Während es zeitweise einer Beratung in Form von konkretem Input bedarf, fungiert der Coach an anderer Stelle als Trainer, Prozessbegleiter, Moderator oder sogar als Zuhörer.

Gemeinsame Strategie entwickeln

Der Lean Coach ist dafür zuständig, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Mitarbeiter Schritt für Schritt zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu begleiten. Zusammen mit den Mitarbeitern wird eine Strategie bzw. ein Umsetzungsplan, etwa in Form einer Lean Roadmap entwickelt, nach der die Lean-Einführung stattfindet. Dabei ist es wichtig, dass der Lean Coach keine Lösungen vorgibt. Vielmehr ist es seine Aufgabe, den Mitarbeitern Werkzeug zum eigenständigen Erarbeiten von Lösungsansätzen an die Hand zu geben und ihnen ein Ansprechpartner für Fragen im Entwicklungsprozess zu sein. Um den Verbesserungsprozess nachhaltig zu etablieren, muss eine Unternehmenskultur geschaffen werden, in der das ständige Lernen im Fokus steht. Zur Förderung des kontinuierlichen Lernens bauen viele Unternehmen eine interne Lean-Coaching-Struktur auf. Dabei werden Coaches ausgebildet, die anderen Mitarbeitern als Ansprechpartner und Prozessbegleiter zur Verfügung stehen. Bei der Gestaltung eines solchen Systems wird der Fokus zunächst auf die Kompetenzentwicklung der Lean-Verantwortlichen gelegt. Sowohl fachliches Wissen, als auch die benötigten Führungskompetenzen müssen vermittelt werden. Nur wenn die Lean-Verantwortlichen die Fähigkeit entwickeln, ihre Mitarbeiter eigenständig zu coachen und bei ihrer Entwicklung zu unterstützen, kann Lean Warehousing nachhaltig eingeführt werden.

Lean Coaching im Unternehmen



Das könnte Sie auch interessieren

Die Industrie in Deutschland investiert intensiv in den Umbau ihrer starren Organisationen. Jedes dritte Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und der Automobilbranche arbeitet derzeit am Abbau klassischer Hierarchien, um mehr Entscheidungen in kürzerer Zeit zu treffen. In jedem zweiten gibt es agile Projektteams, die immer wieder neu zusammengestellt werden. 96 Prozent der Manager ermutigen zudem verstärkt Mitarbeiter, ohne Rückversicherung beim Chef zu entscheiden. Eine Totalabkehr von bewährten Tugenden zugunsten einer Start-up-Kultur ist allerdings nicht erkennbar. Das sind die Ergebnisse der Studie „Potenzialanalyse agil entscheiden“ von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut.‣ weiterlesen

Dort wo Mensch und Roboter Hand in Hand zusammenarbeiten spielt immer auch das Thema Sicherheit eine Rolle. Der TÜV Rheinland zeigt, dass eine Beurteilung dieses Themas schon bei einfachen Dingen, wie der Unterweisung der Mitarbeiter, beginnt.‣ weiterlesen

Nicht nur für große und mittlere Unternehmen stellt die Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung eine Herausforderung dar, auch viele Start-ups sehen sich vor Probleme gestellt. Das geht aus einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hervor.‣ weiterlesen

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst&Young will der deutsche Mittelstand die Produktion mithilfe digitaler Technologien in den nächsten Jahre weiter ausbauen. Rund ein Drittel des derzeitigen Umsatzes werde bereits mit Industrie 4.0-Technologien erwirtschaftet.‣ weiterlesen

Für die Industrie ist die kommende Mobilfunkgeneration 5G von großer Bedeutung. Die am 3. April 2018 im ZVEI gegründete Arbeitsgemeinschaft '5G Alliance for Connected Industries and Automation' (5G-ACIA) hat sich daher zum Ziel gesetzt, 5G erfolgreich in der industriellen Produktion zu etablieren und von vornherein industriefähig zu gestalten‣ weiterlesen

Nur noch jedes sechste Großunternehmen in Deutschland befürchtet einen Verlust an Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung. Fast zwei Drittel der Unternehmen halten ihre Mitarbeiter aber für nicht ausreichend qualifiziert für die digitale Transformation.‣ weiterlesen