Retrofit für 150 Euro

Datenerfassung über die Stromzufuhr

Ein Forschungsteam vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat ein Monitoringsystem für den niederschwelligen Einstieg in die digitale Produktion entwickelt. Damit können alten Bestandsmaschinen Daten entlockt werden. IT-Fachkenntnisse und Prozesswissen sind dafür nicht nötig.

(Bild: ©Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stehen oftmals noch am Anfang der Digitalisierung. Viele der Maschinen in mechanischen Werkstätten oder der Produktion sind dabei oft schon Jahrzehnte alt, erfüllen aber zuverlässig ihren Zweck. Sie verfügen jedoch nicht über moderne Steuerungen und lassen sich untereinander auch nicht vernetzen.

Daten über Stromzufuhr abgreifen

Ein Forschungsteam am Fraunhofer IPA hat daher eine Lösung entwickelt, mit der Bestandsmaschinen kostengünstig Daten entlockt werden können. Ein berührungsloser Wechselstrom-Messwandler nutzt dabei die Stromzufuhr, um grundlegende Maschinendaten abzurufen, hinterlegt sie in einer Cloud und stellt sie in Form von auf Minimalfunktionen reduzierten Graphiken in einer App dar. Daraus kann zunächst einmal abgelesen werden, ob eine Maschine störungsfrei läuft. Kurvenverläufe zeigen zudem an, welche Kräfte wirken, während die Maschine ein Werkstück bearbeitet. Darüber hinaus ermöglicht das System nach einer kurzen Einlernphase eine einfache Prozessüberwachung. Zudem lässt sich erfassen, ob beispielsweise Zerspanungswerkzeuge neuwertig, schon etwas verbraucht oder verschlissen sind. Die App zeigt an wann es Zeit ist, Verschleißteile wie Bohrer, Fräsen oder Sägeblätter auszutauschen.

Kostengünstig

Für die Fraunhofer-Lösung werden weder IT-Fachkenntnisse noch Prozesswissen vorausgesetzt. Zudem ist die Lösung kostengünstig: Christoph Bierbaum, Gruppenleiter Fertigungssysteme Leichtbau am Fraunhofer IPA, schätzt, dass sie dereinst schon für rund 150 Euro zu haben sein könnte. Noch allerdings existiert das Retrofit-Monitoringsystem nur als Prototyp. Er wird derzeit in einem Entwicklungsprojekt zusammen mit einem Partner weiter vorangetrieben. Dabei wird unter anderem die Software um KI-Elemente ergänzt.

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