Vertrauen automatisch prüfen

Rechtsinformatiker der Universität des Saarlandes wollen die Prüfung, ob ein Geschäftspartner Qualitätsstandards, Zertifikate und Bonität mitbringt, automatisieren. Sie arbeiten dabei zusammen mit Forschenden der Ruhr-Universität Bochum und den Fraunhofer-Instituten für Materialfluss und Logistik (IML) sowie für Software und Systems Engineering (ISST).

Bild: ©Sikov/stock.adobe.com

Viele Industrieunternehmen haben einen recht überschaubaren Kreis von Geschäftspartnern – also eine bestimmte Liste an Lieferanten und Kunden. Dies liegt unter anderem daran, dass Geschäftsbeziehungen Vertrauenssache sind. Das gilt erst recht im internationalen Geschäft. Normen und Standards sowie Zertifikate und Bonitätsauskünften bieten zwar Richtschnüre. Aber in jedem Einzelfall müssen die Partner zunächst prüfen und bewerten, ob der andere das in ihn gesetzte Vertrauen auch verdient.

Den Kreis erweitern

Dieses Vertrauensmanagement zu automatisieren ist Ziel eines Projekts, bei dem das Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes mit den Fraunhofer-Instituten für Materialfluss und Logistik IML sowie für Software und Systems Engineering ISST und dem Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit der Ruhr-Uni Bochum zusammenarbeitet. „Die Vertrauensprüfung, die heute im Einzelfall von Hand erledigt wird, ist ein sehr aufwändiger Prozess und denkbar langwierig, komplex und teuer. Das führt zu hohen Vertragsanbahnungskosten und hält auch die Zahl der Lieferanten und Kunden klein, limitiert also zugleich die Vertragspartner. Statt der tatsächlich möglichen Tausend Lieferanten, sind also nur zehn gelistet. Diesen Kreis zu erweitern, ist teuer“, sagt Professor Georg Borges, Direktor des Instituts für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes. „Wir wollen das Vertrauensmanagement automatisieren, dadurch die Kosten der Vertragsanbahnung senken und hierdurch für Unternehmen den Kreis ihrer Geschäftspartner, also Lieferanten und Kunden, erheblich erweitern“, erklärt er.

Dynamischer Vertragsagent

Das Forschungsteam arbeitet an einem ‘dynamischen Vertrauensagenten‘. Die Software soll standardisierte vertrauensrelevante Informationen automatisch beschaffen und die Vertrauenswürdigkeit potenzieller Geschäftspartner automatisiert bewerten. „Hierzu erforschen wir, wie und welche relevanten Informationen bestimmt werden sollen, welche Vertrauensanforderungen in Bezug auf die jeweilige Vertragsbeziehung gestellt werden und wie die Bewertung der Information erfolgt“, erläutert Borges. Neben der Frage, welche Informationen dabei im Kontext der Industrie 4.0 als Bewertungsfaktoren herangezogen werden können, wollen die Forscherinnen und Forscher insbesondere auch Fragen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit bearbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Exklusiv für Abonnenten

95 Prozent der Unternehmen in Deutschland wollen mehr Digital-Know-how im eigenen Land, so eine Bitkom-Studie. Denn acht von zehn Unternehmen halten die Bundesrepublik für Abhängig vom Import digitaler Technologien, Dienstleistungen und Expertisen aus dem Ausland. Dabei müssen die USA als Handelspartner verlorenes Vertrauen wiederaufbauen.‣ weiterlesen

Anzeige

Maschinen in der Produktion werden zunehmend schlauer. Eine von Reichelt Elektronik in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass sich Predictive Maintenance in der deutschen Industrie etabliert.‣ weiterlesen

Anzeige

Im vergangenen Jahr setzte sich die Idee der App ServiceNavigator beim it‘s OWL Makeathon durch. Nun ist das dieser Idee ein Projekt entstanden. Auch die Gründung eines Startups hat das Projektteam ins Auge gefasst.‣ weiterlesen

Anzeige

Der VDMA hat die Arbeitsgemeinschaft Wireless Communications for Machines (AG WCM) gegründet. Damit soll ein institutioneller und interdisziplinärer Rahmen für die Zusammenarbeit mit der Telekommunikationsindustrie und weiteren Interessensgruppen geschaffen werden.‣ weiterlesen

Exklusiv für Abonnenten

Um Störungen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) prognostizieren zu können, werden historische Störungsdaten benötigt. Diese stehen häufig nicht, oder nicht in ausreichender Menge, zur Verfügung. Deshalb ist oftmals die automatisierte Erkennung von Anomalien die Vorstufe zur Störungsprognose. Welche Herausforderungen und Lösungsansätze es zur automatischen Anomalieerkennung durch KI gibt, beschreibt der folgende Beitrag.‣ weiterlesen

In Deutschland steckt die Blockchain-Technologie noch in einer Nische fest, nur wenige Unternehmen beschäftigen sich damit. Zwar ist die Zahl der Start-ups in diesem Bereich seit 2015 stark gestiegen. Doch in Relation zur erwerbstätigen Bevölkerung gibt es hierzulande immer noch wenige Unternehmen, die sich der Technologie widmen. Das zeigt eine Studienreihe des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).‣ weiterlesen