Finanzierung 4.0 — neue Wege der Absatzfinanzierung

Viele mittelständische Unternehmen bieten ihren Kunden an, den Kauf ihrer Produkte zu finanzieren. Meist arbeiten sie dabei mit einer Partnerbank zusammen, die eine klassische Kreditprüfung durchführt. Dies könnte sich schon bald ändern.

 (Bild: creditshelf GmbH)

(Bild: Creditshelf GmbH)

Mehr als neun von zehn Unternehmen können sich vorstellen, ihren Kunden künftig Finanzierungen anzubieten, deren Konditionen von Performance-Daten der jeweiligen Investition bestimmt werden und nicht mehr von historischen Finanzkennzahlen sowie vorhandenen Sicherheiten. Das sind Ergebnisse der Studie ‚Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0‘, für die Creditshelf und die TU Darmstadt 187 Vorstände und Geschäftsführer befragt haben.

Finanzierung der Leistung

Das Ankurbeln der Verkaufszahlen über das Instrument der Absatzfinanzierung steht vor einem Wandel: 92 Prozent der Industrieunternehmen denken darüber nach, ihren Kunden künftig in diesem Bereich neuartige Finanzierungsmodelle anzubieten. Die Kreditkonditionen würden dabei nicht mehr vorrangig von historischen Finanzkennzahlen und vorhandenen Sicherheiten abhängen, sondern von Daten, die die Leistung der erworbenen Maschine oder Anlage widerspiegeln und jederzeit für den Kreditgeber überprüfbar machen. „88 Prozent der Betriebe aus dem industriellen Mittelstand befürworten für ihre eigenen Finanzierungen ein Modell, bei dem die Kreditkonditionen von Performance-Daten einer Investition bestimmt werden. Und die meisten von ihnen würden diese Möglichkeit auch gern ihren Kunden bieten“, erläutert Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. „Die Finanzierung 4.0 eröffnet neue Wege in der Absatzfinanzierung, die sich an den Echtzeit-Daten aus der industriellen Produktion orientieren. Nur die Banken sind noch nicht in der Industrie 4.0 angekommen – ihre Kreditkonditionen orientieren sich wie eh und je an den klassischen, vergangenheitsbezogenen Finanzkennzahlen und dinglichen Sicherheiten.“

Noch sind Banken mit von der Partie

Bereits jetzt bieten 59 Prozent der mittelständischen Industriebetriebe ihren Kunden an, den Kauf ihrer Produkte über sie selbst beziehungsweise ihre Partnerbank zu finanzieren. Doch das ändert sich: Mehr als die Hälfte derjenigen Befragten, die ihren Abnehmern bislang keine Absatzfinanzierung offerieren, könnten sich dies vorstellen, wenn sie dafür kein Kreditinstitut als Partner benötigten. „Für viele deutsche Mittelständler aus der Industrie sind die Hausbanken mit ihren altmodischen Kreditkriterien nicht mehr automatisch der Finanzierungspartner Nummer 1“, beobachtet Dr. Tim Thabe, Gründungspartner und Vorsitzender der Geschäftsführung von Creditshelf. In Zeiten der intelligenten Produktion herrsche in der Industrie eine hohe Bereitschaft, dem Kunden mit der erworbenen Maschine oder Anlage eine bankenunabhängige Absatzfinanzierung zu liefern – auf Basis der Echtzeit-Daten der Investition.

Das könnte Sie auch interessieren

Im aktuellen Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC zeigen sich die befragten Maschinenbauer, mit Blick auf das globale Wirtschaftswachstum, pessimistischer als noch im Vorquartal. Für die deutsche Wirtschaft geht die Mehrheit der Befragten jedoch von einer positiven Entwicklung aus.‣ weiterlesen

Anzeige

Gut acht von zehn Unternehmen mit Predictive-Maintenance-Erfahrung bewerten bislang erzielte Ergebnisse eher positiv, ergab kürzlich eine Umfrage der Unternehmensberatung Staufen. Was beeindruckend klingt, sei aber eher ein Beleg, mit welch geringen Erwartungen an die vorausschauende Instandhaltung herangehen werde, fasst Staufen-CEO Martin Haas die zentralen  Studienergebnisse zusammen. Noch schöpfen die Anwendungen das Potenzial dieser Technologie bei weitem nicht aus.‣ weiterlesen

Traditionelle Geschäftsmodelle basieren üblicherweise auf einer bestehenden Technologie, sie sind selbsterklärend und bilden den Selbstzweck des Unternehmens. Im Falle eines technologischen Umbruchs zerbrechen alte Geschäftsmodelle und der Prozess beginnt von Neuem. Im gegenwärtigen Zeitalter der Daten kommt es immer wieder zu derartigen Disruptionen. Videotheken und Netflix, Spotify und BMG oder LinkedIn und etablierte Personaldienstleister sind sehr gute Beispiele, anhand der Veränderung durch die Digitalisierung und Datennutzung zu lernen, wie mit 3D-Vision in nahezu jeder Industrie neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden können.‣ weiterlesen

Die Vision der Automobilindustrie ist schnell erklärt: Verkehrsteilnehmer vom Auto über LKW und Fahrräder bis hin zu Fußgängern sollen miteinander vernetzt sein. Fahrer werden zu Passagieren in einem neuen mobilen Lebensraum. Bevor es soweit ist, müssen technische Probleme gelöst werden.‣ weiterlesen

Wie stehen die Deutschen zum Thema künstliche Intelligenz? Dieser Frage hat sich das Marktforschungsinstitut YouGov gewidmet. Die Befragung von 2.000 Personen ergab, dass die Mehrheit der Befragten der Technologie scheinbar skeptisch gegenüber steht. Der Anteil der Skeptiker steigt zudem mit dem Alter‣ weiterlesen

Im Zusammenhang mit IoT-Projekten fallen oft Schlagworte wie Big Data oder Echtzeitanalysen. Doch bei Weitem nicht in allen Anwendungsfällen kommt es auf die maximale Leistungsfähigkeit der Devices oder auf hohe Bandbreiten für die Datenübertragung an. Einfache Nachrichten von einfachen Sensoren kommunizieren über energiesparende Low-Power-Netzwerke. Auch unter Sicherheitsaspekten ist weniger manchmal mehr: Geräte mit wenig Prozessorleistung und wenig Bandbreite stellen keine attraktiven Ziele für Hacker dar.‣ weiterlesen