Kann man Agilität in der modernen Arbeitswelt noch ignorieren?

Change Management im Unternehmen

Mangelnde Produktqualität, lange Entwicklungszeiten, unzufriedene Mitarbeiter – Unternehmenscoaches sind darauf spezialisiert, Defizite in Unternehmen zu identifizieren und passgenaue Gegenmaßnahmen zu entwickeln. In diesem Zusammenhang erweisen sich häufig agile Methoden und Scrum – ein Projektmanagement-Ansatz, der auf wenige statische Regeln, festgesetzte Pläne und Ziele setzt – als zielführend. Für viele Unternehmen hat die Umstellung auf eine Scrum-basierte Arbeitsweise erfolgreich die Leistung und das Engagement der Mitarbeiter verbessert. 

(Bild: ©bizvector/Adobe.Stock.com)

In einer sich beständig wandelnden Welt mit verringertem Wirtschaftswachstum und drohenden Handelskriegen den modernen Herausforderungen täglich aufs Neue begegnen – eine komplexe Aufgabe für viele Unternehmen, bei der agile Methoden helfen können. Die größten Hindernisse bei deren Einführung sind laut dem State of Scrum Report der Scrum Alliance kulturell bedingt: Organisationsdesign, begrenzte Managementunterstützung, Mangel an Transparenz. Auf dem Weg hin zu einem agilen Unternehmen wird oft außer Acht gelassen, dass Agilität eine Veränderung der Kultur in der Organisation erfordert und nicht nur die Einführung neuer Begriffe und Methoden. Es gilt im gesamten Unternehmen klassische Strukturen in Frage zu stellen und neu zu strukturieren. Nachhaltige Agilität erfordert kontinuierliches Lernen, die Annahme von Veränderungen und die Befähigung von Teams, Entscheidungen zu treffen. Auch im Unternehmen Testo, einem Anbieter von Messgeräten und Lösungen für das Messdatenmanagement, war es Ziel des agilen Coachings, die gelernten Methoden aus mehr als 60 Jahren Erfahrung neu zu betrachten. Im Bereich der Softwareentwicklung hatte die große Menge der Marktbedürfnisse zu einer Entschleunigung der Innovation geführt. Durch die Etablierung von eigenverantwortlichem Handeln in den Teams sollten Flexibilität, Leistung und Engagement der Mitarbeiter gefördert werden. Dadurch wurden Produktentwicklungszeiten deutlich verkürzt und gleichzeitig die Mitarbeitermotivation erhöht – ein Win-Win für alle Beteiligten.

Agilität und Scrum

Agilität ist ein Ansatz, der flexibles Arbeiten in selbstorganisierenden und funktionsübergreifenden Teams fördert. Dabei ist Agilität nie ein Zielzustand, sondern der beständige Weg eines Unternehmens zur passenden Unternehmenskultur, bei der die Kontroll- und Politikinstrumente in den Hintergrund treten und dafür die Teamkultur ganz vorne steht. Bei einer Scrum-basierten Vorgehensweise gilt es auf Veränderung zu reagieren und nicht starr einem zuvor festgelegten Plan zu folgen. Scrum ist ein auf Teamwork-basierendes agiles Framework, das zur Verwaltung der Arbeit und zur Anforderungsidentifikation aus Nutzersicht an komplexen Produkten eingesetzt wird. Die Bezeichnung Scrum ist eine Analogie zwischen leistungsstarken, funktionsübergreifenden Teams und der Scrum-Formation aus dem Rugby-Sport.

Einen Coach einsetzen

Durch einen Unternehmenscoach lassen sich spezifische Techniken und Prozesse in einem Unternehmen einführen. Die Organisation Scrum Alliance bietet dazu Schulungen und Trainings für Unternehmenscoaches wie Marc Bleß an. Ein Coach identifiziert dabei zunächst die kulturellen, strukturellen oder organisatorischen Schwierigkeiten eines Unternehmens und erarbeitet gemeinsam mit diesem Lösungen, um durch die Einführung neuer Arbeitsweisen die Transition zur agilen Unternehmenskultur einzuleiten. Die Stärke eines durch die Scrum Alliance zertifizierten Coaches sei hierbei die Kompetenzvermittlung, die Fähigkeit auf allen Ebenen der Organisation zu wirken und die nachgewiesene langjährige Erfahrung als agiler Coach, so Bleß. Die Bereitschaft des Managements, sich mit agilen Methoden auseinanderzusetzen, legt dabei den Grundstein für die Transformation der gesamten Organisation. Vor diesem Hintergrund sieht Bleß es als zentrale Aufgabe als Coach, insbesondere Führungskräfte als Vorbilder für Scrum-basiertes Arbeiten bei den Mitarbeitern zu positionieren: Damit stehen Anlaufstellen im Unternehmen zur Verfügung, die Unsicherheiten im Hinblick auf neue Arbeitsweisen nehmen können. Auf die Führungskräfte selbst kommen teilweise gravierende Veränderungen zu, da sich deren Rollen und Anforderungsprofile innerhalb selbstorganisierender Teams vollständig ändern – hier empfiehlt Bleß ein persönliches Coaching zur optimalen Einbindung. Zudem ist es wichtig, die Notwendigkeit einer Transformation des Unternehmens durch die Führungskräfte immer wieder klar zu kommunizieren, um mögliche Widerstände dauerhaft abzubauen und die Motivation der Belegschaft, Veränderungen anzunehmen langfristig zu steigern, so Bleß. Auch bei Testo ebnete ein intensiver persönlicher Austausch mit den Führungskräften den Weg, um traditionelle Strukturen innerhalb des Unternehmens aufzulösen und neue agile Prozesse zu etablieren.

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