Maschinenbauer investieren rund 4,4 Prozent des Umsatzes in Digitalisierung

Digitalisierung: Spielraum für Investitionen

Wie aus dem Maschinenbaubarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst&Young hervorgeht, spielt die Digitalisierung im Maschinenbau eine immer wichtigere Rolle. So ist beispielsweise der Anteil der Unternehmen, die der Digitalisierung eine große Rolle beimessen, von 22 Prozent auf 38 Prozent gestiegen.

 (Bild: Ernst & Young GmbH)

(Bild: Ernst & Young GmbH)

Im vergangenen Jahr verzeichnete der deutsche Maschinenbau erneut Rekordumsätze und Rekordexporte – und nach Erwartung der meisten Maschinenbauer zeigt der Trend weiter nach oben: 60 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten weiter verbessern wird. Das ist ein Ergebnis aus dem Maschinenbaubarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, für das 205 mittelständische Maschinenbauunternehmen befragt wurden. Demnach werden auch digitale Technologien für das Geschäftsmodell der Unternehmen immer wichtiger – und dafür müssen sie investieren. So spielen digitale Technologien mittlerweile für 39 Prozent der Maschinenbauer eine sehr große Rolle. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 22 Prozent. Damit setzt der Maschinenbau auch stärker auf die Digitalisierung als der restliche Mittelstand: Im Durchschnitt spielen digitale Technologien nur für 28 Prozent der deutschen Mittelständler eine große Rolle. Die Umstellung auf digitale Technologien lässt sich der Maschinenbau im Durchschnitt 4,4 Prozent des Gesamtumsatzes kosten – das entspricht einem Anteil von 15 Prozent an den Gesamtinvestitionen. Kaum eine Branche investiert so konsequent in neue Technologien – lediglich in der Elektrotechnik und im Kraftfahrzeugbau ist der Anteil der Investitionen in digitale Technologien höher. EY-Partner Stefan Bley sieht den Maschinenbau auf dem richtigen Weg: “Die Branche ist in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord geeilt. Da die Vorlaufzeiten im Maschinenbau sehr lang sind, werden sich Ereignisse wie der Brexit oder neue Handelsbarrieren erst mit Verzögerung auf die Zahlen auswirken. Die deutschen Maschinenbauer warten aber nicht ab und ruhen sich auf den Erfolgen der Vergangenheit aus – sie schauen nach vorne und investieren kräftig. Insbesondere die Digitalisierung begreifen sie als Chance und integrieren neue Technologien in ihre Anlagen und Maschinen. Maschinen aus Deutschland waren weltweit schon immer wegen ihrer Qualität gefragt. Kunden wünschen inzwischen aber immer mehr digitale Lösungen. Die deutschen Hersteller haben das verstanden und entwickeln entsprechende Angebote.”

Digitalisierung wird als Chance wahrgenommen

88 Prozent der befragten Maschinenbauer bezeichnen die Digitalisierung als Chance. Im gesamten deutschen Mittelstand liegt dieser Anteil bei 74 Prozent. Die Branche setzt digitale Technologien laut EX-Studie vor allem dazu ein, die Produktion stärker zu automatisieren. Drei von vier Maschinenbauern rüsten ihre Fabriken entsprechend um. 62 Prozent nutzen die Digitalisierung bei der Kundenbeziehung und 54 Prozent stimmen mit Hilfe digitaler Technologien ihre Lieferketten besser ab. “Die Maschinen bestellen eigenständig fehlende Teile nach, sie können aus der Ferne gewartet werden und viel einfacher auf Auftragsspitzen reagieren. Das macht die Produktion flexibler und kostengünstiger. Und die Maschinenbauer können das sowohl für ihre eigene Produktion einsetzen, als auch in die Maschinen integrieren, die sie auf dem Weltmarkt anbieten.”

Gefahren durch Fachkräftemangel

Die Ausrichtung auf die Digitalisierung bringt für den Maschinenbau aber auch Probleme mit sich: So bezeichnen mittlerweile 66 Prozent der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als größte Gefahr für die weitere geschäftliche Entwicklung und 47 Prozent Cyberattacken. “Durch die digitalen Technologien werden in den Unternehmen neue Fähigkeiten gefragt”, beobachtet Bley. “Plötzlich konkurrieren die Maschinenbauer mit IT-Unternehmen und anderen Branchen um Talente. Gut ausgebildete Fachkräfte sind heiß begehrt und auf dem Arbeitsmarkt kaum noch vorhanden. Gerade beim Schutz vor Hackerangriffen ist viel Know-how gefragt. Je vernetzter die Maschinen werden, desto anfälliger werden sie auch für Attacken. Wirksame Abwehrmechanismen sind deshalb inzwischen existenziell wichtig für die Branche geworden.” @Kontakt Fachartikel: mst/Ernst & Young

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