Predictive Maintenance-Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Predictive Maintenance-Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Gut acht von zehn Unternehmen mit Predictive-Maintenance-Erfahrung bewerten bislang erzielte Ergebnisse eher positiv, ergab kürzlich eine Umfrage der Unternehmensberatung Staufen. Was beeindruckend klingt, sei aber eher ein Beleg, mit welch geringen Erwartungen an die vorausschauende Instandhaltung herangehen werde, fasst Staufen-CEO Martin Haas die zentralen  Studienergebnisse zusammen. Noch schöpfen die Anwendungen das Potenzial dieser Technologie bei weitem nicht aus.


Predictive Maintenance erfüllt also im Regelfall zwar, was versprochen wird, doch auf einem insgesamt sehr niedrigen Niveau. „Eine intelligente Software kann natürlich frühzeitig Warnzeichen für Fehler, Verschleiß und Ausfälle erkennen und melden“, so Martin Haas, CEO von Staufen. „Doch immer noch gilt: Die meisten Ausfälle sind eine Folge von menschlichen Unzulänglichkeiten und nicht von Verschleiß. Nur ein sehr geringer Teil der Standzeiten einer Maschine gründet sich auf technische Nichtverfügbarkeit. Dies darf beim aktuellen Hype um Predictive Maintenance nicht außer acht gelassen werden. Erst, wenn Anwender einen echten Mehrwert erfahren, wird die vorausschauende Wartung nachhaltig überzeugen.“

Mehrwert geringer als behauptet

Hinzu kommt: Viele Unternehmen verfügen bereits über umfassende Erfahrungen mit Abnutzung und Verschleiß ihrer Maschinen sowie geeigneten Wartungsintervallen vor Ort, so dass der aktuelle Mehrwert von Predictive Maintenance weit geringer sein dürfte als vielfach behauptet. Dennoch: In die nähere Zukunft blickend, bewerten 74 Prozent Predictive Maintenance für den eigenen Maschinenpark als wichtiges Thema, 65 Prozent messen der vorausschauenden Wartung zudem als Servicekomponente für Kundenprodukte eine hohe Bedeutung bei. Im Maschinenbau dagegen ist das Verhältnis umgekehrt, hier geht es verstärkt darum, mit neuen Dienstleistungen im Service Umsatz zu erzielen.

Kombination mit Assistenzprogrammen

„Grundsätzlich bietet Predictive Maintenance gerade dem Maschinenbau immense Potenziale. Aber um echte Erfolge damit zu erzielen, sind Systeme einzusetzen, die mehr bieten als die bisherigen Anwendungen und auch dabei unterstützen, den Anteil menschlicher Fehler zu verringern. Hier ist beispielsweise die Kombination mit Assistenzprogrammen für die Bediener der Maschinen denkbar, die Anwendungsfehler reduzieren können, oder Lösungen zur gleichzeitigen Optimierung auf der Grundlage von Maschinendaten“, erläutert Johann Soder, COO, Geschäftsführung Operatives Geschäft bei SEW-Eurodrive. Für den Deutschen Industrie 4.0 Index 2018 befragte die Unternehmensberatung Staufen zusammen mit der Staufen Digital Neonex GmbH rund 450 Unternehmen in Deutschland. Die Befragung erfolgte zur Jahresmitte 2018. Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen entstammen dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektro- und der Automobilindustrie.

 

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