Messen, was niemand sieht: CO2-Emissionen

Emissionsdaten im Transport- und Logistiksektor erfassen

Ein Unternehmen mit Produktionsstandorten in Europa, Asien oder Südamerika arbeitet mit hunderten, teils tausenden Logistik- und Transportdienstleistern zusammen. Die eigene Lieferkette zu überblicken, ist daher die Herkulesaufgabe bei der Ermittlung des Carbon Footprints. Ein Produkt dafür bietet das Unternehmen Shipzero, das eine Datenplattform zur Messung von CO2-Emissionen extra für die Transport- und Logistikbranche entwickelt hat. Die Anwendung ermöglicht den Datenaustausch zwischen Verladern und Dienstleistern, ermittelt präzise Scope-3-Emissionen und identifiziert Maßnahmen zur Dekarbonisierung.

Bild: Appanion Labs GmbH


Das Prinzip einer Datenplattform ist schnell erklärt: sie vereinfacht. Sie unterstützt den Austausch und die Zusammenführung von Daten, sowohl intern als auch zwischen Vertragspartnern. Statt mit vielen Dienstleistern individuelle Vereinbarungen zu schließen und Daten auszutauschen, laufen solche Vorgänge gebündelt über die Plattform. Im Fall von Shipzero handelt es sich dabei um Emissionsdaten.

Logistik- und Transportdienstleister spielen ihre Verbrauchsdaten auf die Datenplattform und Verlader erhalten Transparenz über ihre Scope-3-Emissionen. Dabei übernimmt das System die Berechnung der CO2-Emissionen über die Transportmodi hinweg, die Zuordnung auf Transport- und Sendungsebene sowie die Erstellung von Reports. Diese werden anschließend für die interne Berechnung des Corporate Carbon Footprints oder für externe Audits und Nachhaltigkeitsberichte genutzt.

Welche Daten werden zur Emissionserfassung benötigt?

Je mehr Daten für die Berechnung von CO2-Emissionen zur Verfügung stehen, desto präziser die Kalkulation. Dies umfasst zum einen die Transport- und Auftragsdaten, wie die Geolocation von Start- und Zielort, den Transportmodus, das Frachtvolumen, die Verpackungseinheit und diverse Transportspezifikationen (z.B. Temperaturführung oder Gefahrengut). Zum anderen werden die Bewegungs- und Verbrauchsdaten der Transportflotte berücksichtigt. Diese können über angebundene Schnittstellen (APIs) aus der Telematik des Verkehrsmittels automatisiert auf die Datenplattform gespielt werden.

Weitere Fahrzeugstammdaten oder Transportinformationen aus dem Transportmanagementsystem (TMS) verbessern die Datenqualität erheblich und ermöglichen zusätzliche Analysen zur Optimierung. Die Kalkulation auf Basis von Primärdaten, also dem tatsächlichen Energieverbrauch während des Transports, ist der Idealfall und vermeidet die Kalkulation basierend auf groben Hochrechnungen und Durchschnittswerten.

Ist dieser energiebasierte Ansatz nur begrenzt möglich, werden die Transportemissionen aktivitätsbasiert berechnet. Das beinhaltet eine präzise Modellierung mithilfe von Parametern, die einen großen Einfluss auf die Emissionsberechnung nehmen. Dazu gehören unter anderem Angaben zu Leerfahrten, Auslastungsfaktoren, Kraftstoffart und Verkehrsträgern.

Nur plausible Daten für Berechnungen

Sobald die Daten unterschiedlicher Quellsysteme in die Plattform integriert sind, werden sie im System kontinuierlich auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft. Besteht eine Verbindung zum argentinischen Hafen Buenos Aires, obwohl der jeweilige Carrier nur in Europa operiert? Hier stimmt etwas nicht. Weit über 40 Tonnen Fracht, die von einer einzigen Sattelzugmaschine transportiert wurden? Das ist eindeutig zu viel und muss hinterfragt werden. Die Datenplattform dient somit auch zur Verbesserung der Datenqualität. Transportdienstleister werden so auf fehlerhafte Daten in ihren Systemen hingewiesen und Verlader können auf eine zuverlässige Datenbasis vertrauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie können Big-Data- und KI-Anwendungen gewinnbringend genutzt werden, ohne Datenschutz und IT-Sicherheit zu verletzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine juristische Studie des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit Athene.‣ weiterlesen

Künstliche Intelligenz könnte in Zukunft dabei helfen, die Arbeit in Industriebetrieben sicherer, einfacher und produktiver zu machen. Das ist die Vision des europäischen Forschungsprojekts Perks, an dem auch die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) beteiligt ist.‣ weiterlesen

Das kanadische Technologieunternehmen Vention hat ausgewertet, wie Hersteller den 'Do-it-yourself'-Ansatz (DIY) nutzen, um ihre Produktion zu automatisieren. Die Studie basiert auf anonymisierten Daten von weltweit mehr als 4.000 B2B-Nutzern der Manufacturing Automation Platform (MAP) von Vention.‣ weiterlesen

Laut International-Innovation-Barometer des Beratungsunternehmens Ayming ist Deutschland ein beliebter Standort für Investitionen für Forschung und Entwicklung. Die Untersuchung zeigt zudem, dass Expertise wichtiger ist als Geld.‣ weiterlesen

Industriesteuerungen werden durch die Nutzung moderner Technologien zunehmend abstrahiert - und damit kompakter, flexibler und einfacher zu warten. Diese Entwicklung führt schließlich zur virtuellen SPS. Doch wie sieht dies in der Praxis aus, wie lässt sie sich verwenden und kann sie auch noch sicher sein?‣ weiterlesen

Im Rahmen der Initiative ’Mission KI’ der Bundesregierung entstehen zwei KI-Zentren, eines davon in enger Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. Gründer, Startups und Unternehmen sollen dort Zugang zur Spitzenforschung erhalten und ihre Anwendungen in Testumgebungen verbessern können.‣ weiterlesen

In sämtlichen Bereichen der Produktion fallen Daten an und auch KMU können daraus einen Nutzen ziehen. Beispiele aus Forschungsprojekten des Technologieprogramms Edge Datenwirtschaft zeigen, wie die Zukunft der sicheren und effizienten Datennutzung und -verarbeitung für Unternehmen aus der Produktion aussehen kann.‣ weiterlesen

In einer aktuellen Studie mahnt der Elektronikkonzern Sharp die Wichtigkeit von IT-Sicherheitsmaßnahmen für Multifunktionsdrucker (MFPs) an. Demnach war bereits jedes fünfte deutsche KMU von einer über MFPs ausgehenden IT-Sicherheitsverletzung betroffen. Dennoch hat mehr als ein Drittel keine druckerspezifischen Sicherheitsvorkehrungen getroffen.‣ weiterlesen

Nachhaltigkeit ja, nur wie? Eine Lünendonk-Studie zeigt, dass viele Industrieunternehmen zwar eine Strategie haben, die Umsetzung dieser allerdings vielerorts noch stockt. Die Erwartungen an die Unternehmen werden jedoch nicht kleiner.‣ weiterlesen

Die vierte industrielle Revolution macht aus Produktionsanlagen ein intelligentes Netz aus Maschinen und Prozessen – theoretisch. Auf dem Weg dorthin scheitern Unternehmen häufig, wenn künstliche Intelligenz und ML-Methoden im Spiel sind. Eine sorgsam geplanten Transformationsstrategie hilft das zu vermeiden.‣ weiterlesen

Lieferkettenstörungen sind eine Belastung für Industrieunternehmen, die bis hin zum Produktionsstillstand führen können. Dies war im vergangenen Jahr an 32 Tagen der Fall. Um sich diesem Problem entgegenzustellen, will die Mehrheit der Unternehmen auf die Diversifizierung der Lieferketten setzen.‣ weiterlesen