Warum traditionelle Sicherheitsstrategien nicht mehr helfen

Die Cyber-Herausforderungen der Metallindustrie

Durch Digitalisierung und Industrie 4.0 ergeben sich mehr Angriffsflächen für potenzielle Angreifer. Die Metallindustrie bildet in dieser Entwicklung keine Ausnahme. Diesbezüglich hat der Security-Spezialist Tenable eine Befragung durchgeführt. Demnach wurden 90 Prozent der Befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Opfer eines Cyberangriffs.

(Bild: Glebstock/Fotolia.com)

Die metallverarbeitende Industrie ist wie viele andere Branchen mit zunehmenden Cyberangriffen konfrontiert. Während es unterschiedliche Theorien darüber gibt, wie es zu diesem raschen Anstieg kommen konnte, herrscht Konsens in einer Sache: Es besteht ernste Gefahr und die unternehmerischen Abwehrstrategien schwächeln. Bereits 2014 stahlen Angreifer bei einem Cyberangriff auf ein deutsches Stahlwerk Login-Daten über den E-Mail-Zugriff und verschafften sich so Zugang zum Produktionsnetz, manipulierten Steuerkomponenten und sorgten für Ausfälle im Werk. Der Stahlproduzent ThyssenKrupp bestätigte 2016 Opfer eines Cyberspionageangriffs gewesen zu sein und im März 2019 versuchte der große Aluminiumhersteller Norsk Hydro einen Ransomware-Angriff einzudämmen. Der Fall verdeutlichte, wie sehr sich ein Angriff auf die IT-Infrastruktur auch auf die Operational Technology (OT)-Systeme und letztlich auf die Funktionsfähigkeit des Unternehmens auswirkt. Eine im Auftrag des Security-Spezialisten Tenable durchgeführte, Studie des Ponemon Institute hat ergeben, dass 90 Prozent der befragten Unternehmen in den letzten zwei Jahren mindestens einen schädlichen Cyberangriff erlebten – 62 Prozent berichteten sogar von zwei oder mehr Vorfällen. Die Studie basiert auf der Befragung von 701 Cybersicherheits- und IT-Fachleuten von Unternehmen, die auf OT-Technologie angewiesen sind. Sie verdeutlicht, dass Angriffe zu Datenverstößen oder erheblichen Störungen und Ausfallzeiten von Geschäftsprozessen, Anlagen und Betriebsmitteln führen. Der potenzielle Schaden geht über die technologische Beeinträchtigung hinaus. Sicherheitsspezialisten entdeckten 2017 eine neue Malware namens Triton, mit der Hacker ein Kraftwerk in Saudi-Arabien attackierten und dabei hätten auch Menschenleben gefährden können. Der Studie zufolge erwarten Unternehmen zukünftig eine insgesamt noch kritischere Situation. Die Befragten äußerten u.a. Bedenken, dass Dritte, vertrauliche Informationen missbrauchen oder weitergeben könnten. Zudem sollen OT-Angriffe im kommenden Jahr zu mehr Ausfallzeiten von Anlagen oder ganzer Betriebseinrichtungen führen.

Neue Gefahren

Industrie 4.0 revolutioniert Produktionsanlagen. Führungskräfte lassen neue Tools implementieren, damit Unternehmen effektiver und produktiver wirtschaften. Mit der Zeit wurden die Unternehmensdaten – traditionell dem IT-Bereich zuzuordnen – und Operational Technology (OT) – die Verwaltung industrieller Systeme (ICS) – zusammengeführt, ohne dabei das Thema IT-Sicherheit gewissenhaft anzugehen. Die entstandene Konvergenz der Systeme bricht die bisher isolierten Fachbereiche auf, und setzt jedes einzelne Unternehmen neuen Gefahren aus.

Wenig Überblick

IT- und OT-Konvergenz bedeutet, dass Hacker Schwachstellen in jeder Umgebung ausnutzen können, um einen Angriff auf kritische Infrastrukturen durchzuführen. Doch für viele Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie, aber auch anderer Branchen, ist der vollständige Einblick in das Netzwerk, einschließlich der OT-Infrastruktur, nicht einfach. In der Ponemon-Studie stimmten lediglich 20 Prozent der Aussage zu, dass sie über ausreichende Einblicke in die Angriffsoberfläche ihrer Organisation verfügten. Für die fehlende Transparenz kann es viele Gründe geben: Ein Unternehmen hat landesweit oder weltweit verteilte Standorte, oft genug setzen die Unternehmen auch Technologie aus Silos ein, sei es durch Übernahmen, Fusionen etc. Unabhängig von der Ursache, sollten Unternehmen die notwendigen Schritte einleiten, um einen Einblick in all ihre Netzwerke zu bekommen – über die gesamte Hard- und Software hinweg, mit Blick auf alle Sicherheits-Frameworks und Konformitätsanforderungen sowie die CIS-Kontrollen und NIST-Frameworks. Nur so können Unternehmen die Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen und des NERC CIP verbessern.

Das könnte Sie auch interessieren

Low-Code/No-Code-Entwicklungen bieten Potenzial für Industrieunternehmen. Dadurch wird Software-Programmierung auch Mitarbeitern zugänglich, die nicht über tiefes Fachwissen verfügen. Mendix hat in einer Studie untersucht, wie es um den Low-Code/No-Code-Ansatz in Deutschland bestellt ist.‣ weiterlesen

Anzeige

Es sei an der Zeit, dass die EU ihre digitale Souveränität stärkt, schrieben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Amtskolleginnen kürzlich in einem offenen Brief. Doch wie lässt sich das komplexe Ziel in konkrete Handlung übersetzen? Der Impuls 'Digitale Souveränität' von Acatech soll den Rahmen schaffen: Ein neues Schichtenmodell unterscheidet dabei acht Ebenen digitaler Souveränität, anhand derer sich punktgenaue Handlungsoptionen ergeben.‣ weiterlesen

Anzeige

Crate.io, Entwickler und Anbieter der für den Einsatz in IIoT-Umgebungen optimierten CrateDB, gibt bekannt, dass CrateDB ab sofort eine vollständig quelloffene Datenbanklösung ist.‣ weiterlesen

Anzeige

Mercedes-Benz und Siemens wollen mit Unterstützung des Landes Berlin bei der nachhaltigen Digitalisierung und Automatisierung der Automobilindustrie zusammenarbeiten.‣ weiterlesen

Exklusiv für Abonnenten

Von der Kommunikation mit Hologrammen bis zu ferngesteuerten Operationen – die nächste Mobilfunkgeneration 6G soll zahlreiche Hightech-Anwendungen möglich machen. An der Technischen Universität München (TUM) startet nun ein Großprojekt, das die wichtigsten Grundlagen für den neuen Standard legen will. Projektleiter Prof. Wolfgang Kellerer erklärt im Interview, wie 6G zum intelligentesten Mobilfunknetz wird, wann Deutschland eine führende Rolle einnehmen könnte und warum es in der Forschung weniger um Geschwindigkeitsrekorde, als vielmehr um eine Sicherheit von 99,999999999 Prozent geht.‣ weiterlesen

2019 hat sich die Open Industry 4.0 Alliance auf der Hannover Messe gegründet. Das mittlerweile 74 Mitglieder umfassende Konsortium stellt zur diesjährigen Messe einen eigenen App Store vor.‣ weiterlesen