Übernahmefieber in Industrie-4.0-Branchen

Die Digitalisierung entwickelt sich zu einem wichtigen Treiber des weltweiten M&A-Geschehens. Vor allem bei Industrie- und IT-Unternehmen steigt der Appetit auf Unternehmensübernahmen. Dabei geraten deutsche Unternehmen aus Industrie-4.0-relevanten Bereichen in den Fokus internationaler Investoren. Das zeigt die Ernst & Young-Studie ‘PE 4.0 – How can Financial Sponors shape tomorrow’s Value Creation?’.

 (Bild: Ernst & Young GmbH)

(Bild: Ernst & Young GmbH)

Im ersten Halbjahr 2017 fanden demnach weltweit 2.595 Unternehmenstransaktionen in den für Industrie 4.0 relevanten Branchen Maschinenbau, High Tech, Produktion und IT statt – das waren sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei knapp jeder dritten Transaktion wurden Unternehmen durch ausländische Investoren erworben.. Im Fokus stehen dabei US-amerikanische und deutsche Unternehmen: So wurden laut Studie 196 US-amerikanische und 113 deutsche Unternehmen aus den genannten Branchen von ausländischen Investoren gekauft.

Negativer Saldo für Deutschland

Während aber deutlich mehr US-Unternehmen im Ausland zukauften als umgekehrt aus dem Ausland aufgekauft wurden, ergibt sich für Deutschland ein negativer Saldo: Im ersten Halbjahr haben 82 deutsche Unternehmen Akquisitionen im Ausland durchgeführt – im selben Zeitraum wurden allerdings 113 deutsche Unternehmen von ausländischen Investoren übernommen. Für die vergangenen drei Jahre summieren sich die Übernahmen deutscher Unternehmen im Ausland auf 454. Diesen Transaktionen stehen 596 von ausländischen Konzernen übernommene deutsche Unternehmen gegenüber. Damit liegt der negative Saldo – bezogen auf die vergangenen drei Jahre – für den Standort Deutschland bei 142 Transaktionen. Für kein anderes Land der Welt ergebe sich ein derart großes Ungleichgewicht zwischen Aufkäufen durch ausländische Unternehmen und Zukäufen im Ausland. Großbritannien folgt mit 126 Transaktionen vor Italien mit einem negativen Saldo von 118 Transaktionen.

Positiver Saldo für USA, Japan und China

Umgekehrt ergibt sich für die Standorte USA, Japan und China ein deutlich positiver Saldo von 438, 199 und 147 Transaktionen. „Die Digitalisierung hat die Industrie längst voll erfasst und entwickelt sich zu einem der wichtigsten Treiber auf dem M&A-Markt“, beobachtet Dr. Dierk Buß, Partner bei EY und Autor der Studie. Während etablierte Industriekonzerne versuchen würden, zusätzliche IT-Kompetenzen zuzukaufen, übernehmen auf der anderen Seite Technologiekonzerne verstärkt Industrieunternehmen, um sich Know-how in den Bereichen Produktion sowie Forschung und Entwicklung zu sichern.

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