Ausbilder in den Betrieben

Zeitdruck und steigende Anforderungen

Die duale Ausbildung gilt weltweit als deutsches Erfolgsmodell. Doch Überlastung, widersprüchliche Anforderungen und mangelhafte Ausstattung belasten die Verantwortlichen in den Betrieben, ergab jetzt eine Untersuchung der FAU im Auftrag der IG Metall.

(Bild: ©Ehrenberg-bilder/stock.adobe.com)

Ausbilderinnen und Ausbilder nehmen eine Schlüsselrolle ein, um die Fachkräfte der Zukunft fit zu machen. Doch sie fühlen sich von den Unternehmen bei Ausstattung, Zukunftsgestaltung und Qualifizierung häufig ausgebremst, ergab eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Auftrag der IG Metall. Die meisten Unternehmen haben demnach keine betrieblichen Regelungen zu regelmäßiger Weiterbildung des Ausbildungspersonals (67 Prozent), Kostenübernahmen (55 Prozent) oder Freistellungen (52 Prozent). Ausbilder empfinden sich oft zu wenig vorbereitet für ihre Aufgabe: Im pädagogischen Bereich etwa sehen 86 Prozent zunehmende Anforderungen und jeder Dritte fühlt sich pädagogisch unzureichend gerüstet.

Widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt

54 Prozent der Befragten gaben an, bei ihren Ausbildungsaufgaben und ihrer gewöhnlichen Arbeit widersprüchliche Anforderungen umsetzen zu müssen. Das bedeutet für 59 Prozent dieser Angestellten Mehrarbeit und Überstunden, 70 Prozent melden Stress und 86 Prozent eine höhere Arbeitsintensität. Fast die Hälfte muss Abstriche bei der Qualität der Ausbildung machen. Das Ausbildungspersonal erfährt von 96 Prozent der Auszubildenden Wertschätzung, vom Betrieb nur zu 70 Prozent. Während die Bezahlung von hauptamtlichen Ausbilderinnen tariflich geregelt ist, bleibt die zusätzliche Tätigkeit für 89 Prozent der ausbildenden Fachkräfte ohne dieses Anstellungskriterium ohne zusätzliche Vergütung.

Mitsprache bei Wandelsprozessen ausbaufähig

Viele Ausbildungsverantwortliche bleiben zudem bei wichtigen Entwicklungen in ihren Unternehmen außen vor: Die Hälfte der Befragten wird von den Unternehmen nicht über betriebliche Veränderungsprozesse und Planungen informiert, 49 Prozent nicht in Veränderungsprozesse einbezogen. Die Hälfte des Ausbildungspersonals meldet, dass das Thema Ausbildung beim Management kein Gewicht hat.

Mehr als die Hälfte der Ausbilder gab in der Befragung an, maßgeblich zur digitalen Transformation in den Betrieben beitragen zu können. Doch 38 Prozent der Betriebe integriere Kenntnisse über neue Maschinen oder Produktionstechniken nicht systematisch in die Ausbildung. Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Studienautorin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sagt: „Die Anforderungen steigen, die Bedingungen werden schlechter und die Mitsprache bei Zukunftsthemen fehlt: Darunter leiden Ausbildungsqualität, Auszubildende und die Attraktivität des Berufsbildungssystems – und letztlich die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft.“ Als Lösungsansatz schlägt Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, vor, „mehr Geld für digitale Infrastruktur in die Hand zu nehmen. Besonders gilt es aber, ausreichend Zeit und Raum für die nötige Qualifizierung des Ausbildungspersonals zur Verfügung zu stellen.“

Bundesweit sind 643.000 Ausbilderinnen und Ausbilder registriert. Darüber hinaus sind ein Vielfaches mehr an Beschäftigten als ausbildende Fachkräfte mit der Ausbildung betraut. Für die repräsentative Studie befragte die FAU 1.004 Ausbilder*innen sowie ausbildende Fachkräfte in der Metall- und Elektro- sowie der Textilbranche mit Onlinebefragungen und Tiefeninterviews.

Zur Studie: https://wap.igmetall.de/APIF-2021.htm

www.igmetall.de

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