Buchautor Jörg Heynkes zur Zukunft der künstlichen Intelligenz

Wenn Algorithmen unsere Arbeit übernehmen

KI-Systeme sind heute schon so weit entwickelt, dass sie selbst unliebsame Routinearbeiten von Rechtsanwälten, Ärzten, Unternehmensberatern oder einigen Ingenieuren übernehmen könnten. Diese Zukunft ist gar nicht mehr so fern, sagt Unternehmer und Buchautor Jörg Heynkes.

 (Bild: André Bakker)

(Bild: André Bakker)

Wenn Maschinen mit Maschinen

Denn in nicht allzu ferner Zukunft steuert nicht mehr der Mensch die Maschine und trägt Informationen von A nach B, damit sich ein Mensch – oder auch eine Maschine – dort um die Ausführung kümmert. Sondern die Maschinen steuern sich gegenseitig. Und diese Entwicklung ist gar keine so besonders überraschende, denn solche Verbindungen gibt es bereits – das Internet of Things. Dieses besagt im Wesentlichen, dass alle Maschinen, Produkte, Systeme etc. Stück für Stück immer weiter miteinander vernetzt sein werden und völlig neue Funktionen erhalten können, die uns im besten Falle nutzen sollen. In diesem Sinne ist das IoT nicht bloß die hochautomatisierte Industrieproduktion, in der Maschinen uns in der Fabrikhalle die Arbeit abnehmen. Sie geht so weit, dass ein Sensor im T-Shirt beispielsweise Vitalwerte misst und ein Signal geben kann, wenn der Blutdruck des Trägers zu hoch ist. Auch könnte ein Sensor in der Toilettenschüssel bei jedem Toilettenbesuch den Urin analysieren, der Arzt muss dies also nicht mehr selbst tun. Somit wissen Sie und Ihr Arzt jederzeit, wie Ihr Blutdruck ist, ob Sie nur 2.000 Schritte am Tag gehen und zu viel Salz zu sich nehmen, da die Software Sie besser und ständiger begleitet als Ihr Arzt beim halbjährlichen Termin. Genauso kann sich Ihr Fahrzeug selbst um einen Werkstatttermin kümmern, wenn sein Bordcomputer einen Defekt oder Mangel feststellt. Und so wird es das Berufsbild des Arztes, des Anwalts, des Bankers oder das des Ingenieurs, wie wir es heute kennen, in wenigen Jahren schon nicht mehr geben, es wird sich erheblich verändern.

Eine routinierte Liebesheirat

Wenn ich derlei Ansichten in Diskussionen und Vorträgen fallen lasse, geht immer ein erstauntes, teils fast schon erbostes Raunen durchs Publikum. Einen komplexen, Grips erfordernden Job an die künstliche Intelligenz zu übertragen – ausgeschlossen! Den Roboter sehen meine Zuhörer in aller Regel maximal am Band, wo er die immer gleichen Teile zusammensteckt oder im äußersten Fall vielleicht noch eine sehr kleinteilige Präzisionsarbeit verrichtet, die fürs menschliche Auge auf Dauer zu anstrengend ist. Wenn ich dem entgegensetze, dass Roboter in Zukunft längst nicht mehr nur „niedere Tätigkeiten“ verrichten werden – dass sie also auch Ärzte, Lehrer, Banker, Verkäufer, Anwälte, Unternehmensberater und eben Industrieingenieure in ihrer heutigen Form ersetzen oder die Berufe zumindest deutlich verändern könnten, bricht die Empörung endgültig los: „Aber das ist doch die völlige Entmenschlichung! Wenn die Roboter bei jeder Form von Arbeit mitmischen und praktisch alle Jobs übernehmen, wo bleibt denn das menschliche Miteinander? Da fehlt ja nur noch, dass wir irgendwann anfangen, Roboter zu heiraten ?“

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