Neuer Acatech-Impuls

Handlungsfelder für digitale Souveränität

Es sei an der Zeit, dass die EU ihre digitale Souveränität stärkt, schrieben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Amtskolleginnen kürzlich in einem offenen Brief. Doch wie lässt sich das komplexe Ziel in konkrete Handlung übersetzen? Der Impuls ‘Digitale Souveränität’ von Acatech soll den Rahmen schaffen: Ein neues Schichtenmodell unterscheidet dabei acht Ebenen digitaler Souveränität, anhand derer sich punktgenaue Handlungsoptionen ergeben.

(Bild: ©acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V.)

Die Coronakrise hat den Nutzen digitaler Anwendungen verdeutlicht, aber auch gezeigt, wie wichtig digitale Souveränität wird: Plattformen für Online-Meetings ermöglichen den Kontakt auf Abstand, werfen aber auch Datenschutzfragen auf. Digitale Unterrichtsangebote sind gefragter denn je, doch auch hier gibt es Streitpunkte im Hinblick auf die Zuverlässigkeit und den Schutz der Privatsphäre. Der Austausch von medizinischen Daten in Echtzeit ist wichtiger denn je, doch immer noch werden viele Informationen mit Papier, Stift, Drucker und Faxgerät ausgetauscht. Quer durch alle Anwendungsbereiche dominieren Plattform- und Cloudanbieter außerhalb der EU. “Digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch der politischen Selbstbestimmtheit der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten”, schreiben die Herausgeber des Acatech Impulses ‘Digitale Souveränität’: Karl-Heinz Streibich, Henning Kagermann und Katrin Suder. “Die Idee einer Digitalen Souveränität europäischer Prägung zielt auf eine Digitalisierung, die Wahlfreiheit lässt, die europäischen Rechts- und Wertevorstellungen folgt, die sich der Welt öffnet und fairen Wettbewerb fördert.”

Kein Protektionismus

Die Autorengruppe spricht sich klar gegen Protektionismus aus. Das wichtigste Element digitaler Souveränität sei Gestaltungsfreiheit. Eine freie Gesellschaft mitsamt ihrer öffentlichen Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen müsse frei wählen können, welche digitalen Technologien, Dienste oder Anbieter sie nutzt. Wo diese Wahlfreiheit in Frage steht oder fehlt, müsse sie behauptet werden. Die wichtigsten Hebel zur Behauptung digitaler Souveränität sind dem Impulspapier zufolge Investitionen (am besten in die jeweils nächste Generation digitaler Technologie), das Aufbrechen von Lock-in-Effekten und europäisches Wachstum in strategisch wichtigen Bereichen. Für die genaue Analyse von Stärken, Schwächen und sinnvollen Handlungsmöglichkeiten wird im Impuls-Papier ein Schichtenmodell mit acht Ebenen entworfen: Ausgehend von zugrundeliegenden Rohmaterialien und Komponenten über Kommunikationsinfrastrukturen und Cloudplattformen, bis hin zu europäischen Datenräumen, Softwaretechnologien und dem rahmengebenden europäischen Rechts- und Wertesystem. Für jede Schicht werden dabei kritische Bereiche analysiert. mst/Acatech

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