Keine Smart Factory ohne Verfügbarkeit

Die Industrie ist einer der größten und innovativsten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Laut Statistischem Bundesamt hat das produzierende Gewerbe im Jahr 2016 für immerhin ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts gesorgt. Damit das auch so bleibt, müssen Industriebetriebe ihre Produktionsprozesse immer weiter optimieren, automatisieren, an individuelle Kundenwünsche anpassen und gleichzeitig eine hohe Produktqualität sicherstellen.

77 Prozent der Unternehmen k?nnen Ihre Daten nicht h?ufig genug und nur unzureichend sichern. (Bild: Veeam Software GmbH)

77 Prozent der Unternehmen können Ihre Daten nicht häufig genug und nur unzureichend sichern. (Bild: Veeam Software GmbH)

Der Kunststoffverarbeiter Rehau fertigt beispielsweise unterschiedliche Produkte aus polymeren Werkstoffen wie etwa Bauteile für die Automobilindustrie oder Fensterprofile. Dabei fallen große Mengen an Daten an, die für das Unternehmen geschäftskritisch sind und darum permanent verfügbar sein müssen.

Produktionsdaten wie Temperatur und Stoffzusammensetzung werden durch Leitrechner aufgezeichnet, um die Produkte zu überprüfen und die Produkthaftung sicherzustellen. Der Stellenwert der Daten – und der Datensicherung – ist dementsprechend hoch für das Unternehmen: Bis zu fünf Terrabyte müssen regelmäßig pro Werk gesichert werden. Eine erhebliche Datenmenge, die zukünftig weiter ansteigen wird. Auch in der Produktion gewinnt die strategische Nutzung dieser Daten immer mehr an Bedeutung – die wichtigsten Stichworte dabei sind Predictive Maintenance und flexible Fertigungsprozesse.

Industriespezifische Clouds

Produktionsdaten sind in der Industrie eine wesentliche Komponente des Geschäftsmodells – dabei spielt es keine Rolle, ob aus Sicherheitsgründen oder zur Umsetzung einer vernetzten Fabrik. Daher wird die Frage, wo diese Daten gespeichert, wie sie gesichert werden und wie schnell sie nach Ausfällen wieder zur Verfügung stehen, immer wichtiger und rückt weiter in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Momentan entstehen immer mehr industriespezifische Cloudumgebungen. Die Unternehmen selbst treiben dies maßgeblich voran: Sie vernetzen ihr gesamtes Ökosystem auf einer Plattform, um dadurch flexibler und schneller am Markt agieren zu können. Auf der Basis von Industrie-4.0-Technologien können Produktionsprozesse für ein neues Produkt schnell angepasst werden und es wird sichergestellt, dass auch alle Zulieferteile automatisch und rechtzeitig zur Verfügung stehen. Dadurch lässt sich die Fertigung kleinerer Stückzahlen wirtschaftlich umsetzen. Durch die Cloud wird ein schneller und relativ unkomplizierter Aufbau einer neuen IT-Plattform eröffnet: Die benötigten Anwendungen werden in der Cloud auf virtualisierten Umgebungen betrieben, während Storage-Systeme weltweit über die großen Public-Cloud-Provider verfügbar sind. Die damit geschaffene Anwendungsplattform steht dann allen Teilnehmern des Ökosystems zur Verfügung, die dort Daten austauschen, ihre eigenen Prozesse und Dienste integrieren oder die Produktentwicklung gemeinsam vorantreiben.

Industry Collaborative Clouds

Die Vernetzung von externen Lieferanten sowie die Automatisierung von Fertigungsanlagen, Verkehrssystemen oder Logistikketten sind nur einige Beispiele für die enormen Effizienzsteigerungen, die sich in einem solchen Ökosystem ergeben. Automobilhersteller wie Volkswagen oder Ford treiben den Aufbau spezieller Clouds voran, die sogenannten Industry Collaborative Clouds. Deren Anzahl wird sich laut den Analysten von IDC bis 2018 auf weltweit rund 450 erhöhen und damit im Vergleich zu 2016 verdreifachen.

Datenverfügbarkeit sicherstellen

Die Integration externer Geschäftspartner und der Einsatz von Cloudressourcen führen schnell zu einem weltweit verzweigten Netzwerk an Standorten, in dem die Daten verteilt verarbeitet werden und gespeichert sind. Die Enterprise Continuity muss auch in einer solchen Infrastruktur gewährleistet sein: Unternehmenskritische Daten müssen jederzeit verfügbar sein, um die Geschäftsprozesse nicht zu unterbrechen. Für IT-Verantwortliche wird es daher immer entscheidender, ausfallsichere IT-Infrastrukturen zu betreiben, um innerhalb dieser industriespezifischen Cloud-Ökosysteme für alle Beteiligten als zuverlässiger und starker Partner zu gelten – Stichwort ‚Race to Zero‘, das Rennen um Verfügbarkeit ohne Ausfälle und Datenverlust. Jedoch ist das Thema Ausfallsicherheit ein wesentliches Hindernis für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Demnach sehen 70 Prozent der Befragten – weltweit und in Deutschland – die Verfügbarkeit, also den unterbrechungsfreien Zugang zu IT-Services, als zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation. Gleichzeitig geben 77 Prozent der befragten Firmen an, die Erwartungen der Anwender in Bezug auf permanenten Zugang zu Daten und Anwendungen nicht erfüllen zu können. Mindestens ebenso gravierend ist die Datensicherungslücke durch die schnell wichtige Produktionsdaten verloren gehen und -prozesse verzögert werden. Diese „Protection Gap“ entsteht, wenn die Zeitfenster zwischen Datensicherungen größer sind als der maximal tolerierbare Datenverlust. In Deutschland geben IT-Verantwortliche an, geschäftskritische Daten im Schnitt alle 102 Minuten zu sichern. Für tolerierbar halten sie jedoch ein Zeitfenster von nur 48 Minuten.

Datensicherungsstrategie ein Muss

Für Industriebetriebe ist es daher entscheidend, die permanente Verfügbarkeit ihrer unternehmenskritischen Daten direkt in ihre Planung einbeziehen – umso mehr, wenn sie aktuell ein Industrie 4.0-Konzept umsetzen und dabei auf Cloudressourcen setzen. Für jeden Workload sollten anforderungsgerechte Datenschutzlösungen, wie etwa Backups, Snapshots, Replica und Verfügbarkeitstechnologien, implementiert werden. Unternehmen, die bereits über eine hybride IT-Umgebung verfügen, haben es auch bei der Datensicherung oft leichter, wenn unterschiedliche Cloudkonzepte, also Public, Private oder Managed Cloud, gemeinsam eingesetzt werden. Auch bestehende Backup-Systeme können aus dem lokalen Rechenzentrum in eine Private- oder Public-Cloud-Umgebung, beispielsweise Microsoft Azure, verlagert oder dorthin erweitert werden. Dennoch dürfen keine Silos entstehen, die IT-Infrastrukturen nur noch komplexer machen würden. Mit der Integration in eine Plattform können Datensicherungsmechanismen weitgehend automatisiert sowie zentral gesteuert und überwacht werden. Eine solche Plattform berücksichtigt idealerweise virtuelle, physische und cloudbasierte Workloads, damit auch in komplexen IT-Umgebungen die Verfügbarkeit sichergestellt werden kann. Dann können Unternehmen Industrie 4.0-Initiativen Schritt für Schritt umsetzen, ohne den bestehenden Produktionsbetrieb unnötigen Risiken auszusetzen.

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